INERATEC ist KIT Gründer des Monats Juni

Das Unternehmen INERATEC entwickelt eine containerbasierte Kompaktanlage, mit der flüssige synthetische Kraftstoffe aus kleinen und mittleren Gasquellen gewonnen werden können. Durch die Verwendung von Biogas entstehen regenerative Kraftstoffe. So können Kraftstoffe dort produziert werden, wo Bedarf besteht. Mit den eigens entwickelten Kompaktanlagen hat INERATEC eine neue Technologie innerhalb der chemischen Verfahrenstechnik geschaffen und hebt sich von den großen Chemieanlagen ab, in denen dieser Prozess bis dahin stattgefunden hat. Wir haben das Team von INERATEC im Interview zu der Idee, der Gründungszeit und den Zukunftsaussichten befragt.

Team von IneraTec

Team von INERATEC

Wofür steht Ihr Unternehmen?

INERATEC konzipiert, produziert und vertreibt schlüsselfertige und containerbasierte Kompaktanlagen, die mit einem innovativen mikrostrukturierten chemischen Reaktor ausgestattet sind. Dadurch bietet INERATEC eine technische Lösung für die kompakte und dezentrale Erzeugung flüssiger synthetischer Kraftstoffe aus kleinen und mittleren Gasquellen. Dabei ist es völlig unerheblich, ob das Gas aus fossilen Quellen oder erneuerbaren Quellen stammt. Mithilfe der INERATEC-Anlagen kann neben Erdgas auch regenerativ erzeugtes Bio-, Klär-, oder Deponiegas in CO2-neutrale grüne Hochleistungskraftstoffe umgewandelt werden. Wir stehen für eine völlig neue und disruptive Technologie in der chemischen Verfahrenstechnik, weg von chemischen Anlagen im riesigen Maßstab, hin zu modularer Technologie und charmanten Lösungsansätzen. Dadurch tragen wir auch unseren Teil zum Gelingen der Energiewende bei – und darauf sind wir stolz.

Wo und wie kam Ihnen die zündende Idee zur Gründung?

Nach fast 10-jähriger Grundlagenforschung am Institut für Mikroverfahrenstechnik (IMVT) haben wir mit unserer chemischen Reaktortechnologie einen völlig neuen Grad der Kompaktheit und Prozessintensivierung erreicht. Dadurch lässt sich der Prozess in einen herkömmlichen 40-Fuß-Container integrieren und an den Ort der gewünschten Verwendung transportieren. Dann haben wir sehr schnell gemerkt, was für ein gewaltiges Potenzial eine solche Technologie hat. Denn Gase fallen in unzähligen Prozessen in kleinen bis mittleren Mengen an und werden heute nur in Ausnahmefällen optimal genutzt, zum Beispiel, wenn es eine sinnvolle Verwendung für die Abwärme bei der Verstromung im Blockheizkraftwerk (BHKW) gibt. Für uns alle war klar, dass die Gründung des Unternehmens INERATEC die logische Konsequenz ist – wir wollen diese Technologie in die Markt- und Serienreife führen.

Wie hat sich Ihr Gründungsteam zusammengefunden?

Peter ist seit 1997 Wissenschaftler am IMVT, er hält nun eine Professur und ist Leiter der Abteilung Chemische Energiespeicher am Institut. Im Zuge ihrer Doktorarbeiten sind die zwei Chemieingenieure Paolo und Tim 2008, bzw. 2011 dazu gestoßen. In den Folgejahren hat sich die Idee der Unternehmensgründung immer deutlicher herauskristallisiert. Tim hatte bereits durch einen Studienaufenthalt in Südafrika große Erfahrung auf dem Gebiet der Fischer-Tropsch-Synthese und Paolo konnte im Zuge seines Post-Docs die technischen Grundsteine für die Gründung von INERATEC legen. Der studierte Wirtschaftsingenieur Philipp ergänzt das Team perfekt auf der betriebswirtschaftlichen Seite. Im April 2014 hat sich dann das endgültige Gründerquartett gefunden.

Worin sehen Sie die Vorteile, Ihr eigener Chef zu sein?

Die Freiheit eigene Entscheidungen zu treffen und eigene Strategien zu entwickeln, ist unbezahlbar. Wir sind ein junges Start-up – die intrinsische Motivation und die kreativen Lösungsfindungen des gesamten INERATEC-Teams spornen an. Ein dynamisches, eher kleineres Team kann innovative Ideen schnell voranbringen und effektiv passende Konzepte ausarbeiten. Bei all der Motivation ist es aber auch schön, seine Arbeitszeit flexibel planen zu können. Klassische 9-to-5 Tage kommen zwar auch vor, aber meist kann man sich nur schwer von der Arbeit losreißen. Dafür macht der Aufbau von INERATEC einfach zu viel Spaß.

Welche Eigenschaft sollte man aus Ihrer Sicht als Gründer mitbringen?

Ganz klar: Neugierde, Zielstrebigkeit, die Fähigkeit aus Fehlern zu lernen und natürlich einen gewissen Grad an Risikobereitschaft. Immerhin gehen wir als Team keinen ausgetretenen Pfad, sondern neue Wege.

Wo sehen Sie die Hürden auf dem Weg zum erfolgreichen Unternehmen? Wo haben Sie sich Unterstützung geholt?

Eine große Hürde haben wir bereits durch die gewonnene Finanzierung durch das Programm „Junge Innovatoren“ des baden-württembergischen Landesministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst genommen. Die nächste Hürde wird die Finanzierung der ersten Containeranlage darstellen. Dafür wollen wir einen industriellen Partner/Kunden gewinnen. An einer Fremdkapitalfinanzierung werden wir nicht vorbei kommen.

Die Teilnahme an verschiedenen Wettbewerben gab uns bereits die Möglichkeit, wichtige Kontakte in die Finanzwelt aufzubauen. So wurden wir zum Beispiel im Februar 2015 auf dem „Green Innovation and Investment Forum“ in Stuttgart als „Best Business Idea“ ausgezeichnet. In Karlsruhe sind wir ebenfalls sehr gut mit anderen Ausgründungen und Start-ups vernetzt und man kann sich oft austauschen.

Wie sind Sie in der Gründungsphase mit dem höheren Arbeitsaufwand umgegangen?

Wir befinden uns noch mittendrin in der Zeit des höheren Arbeitsaufwandes – aber das Team funktioniert super und wir teilen uns die Arbeit so gut wie möglich auf. Dadurch können wir proaktiv in die Zukunft planen. Wichtige Punkte werden natürlich im Team besprochen und man hört aufeinander. Jeder arbeitet ja zielstrebig an der bestmöglichen Umsetzung unserer Idee. Natürlich versuchen wir auch das Privatleben nicht zu vernachlässigen. Sehr oft kamen in der Ruhe auch geniale Ideen. Dann ist es auch nicht schlimm, wenn man mal die eine oder andere Nacht ein paar Stunden weniger schläft.

Haben Sie Tipps für andere junge Unternehmensgründer?

Natürlich ist es aus unserer Perspektive immer leicht zu sagen: Wenn du eine gute Idee hast, setze sie um. Denn man muss schon ein gewisses Maß an Risikobereitschaft und Eigenmotivation mitbringen. Ein Bild mit dem wir uns sehr gut anfreunden können ist: Ein Ziel vor Augen haben und mit aller Kraft und Geschwindigkeit zu diesem Ziel rennen. Wir versuchen dieses Ziel nie aus den Augen zu verlieren und uns nicht mit anderen anfallenden Aufgaben zu lange aufzuhalten.

Kurzübersicht:

  • Gründer: Tim Böltken, Philipp Engelkamp, Peter Pfeifer, Paolo Piermartini
  • Gründung: 2015
  • Homepage: www.ineratec.com
  • Kontakt: info@ineratec.de
  • Branche: Umwelt, Energie & Wasser

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